Niccolò Piccinni, La buona figliuola

Concentus musicus

Niccolò Piccinni, La buona figliuola, kritische Ausgabe hrsg. von Francesco Paolo Russo (Concentus musicus 16), Kassel u.a.: Bärenreiter 2017 (XIX, 506 S). BA 8392-01, ISBN 979-0-006-56273-2
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Für ihren Autor Niccolò Piccinni (1728–1800) sollte sich die komische Oper La buona figliuola 1760 als Durchbruch in der Musikstadt Rom und bald darauf als europäischer Sensationserfolg erweisen. Die italienische Opera buffa der Folgezeit knüpfte in vielfältiger Weise an Piccinnis römischen Geniestreich an, an Konstellationen, Situationen, Haltungen und Gebärden, an sprachliche und gestische Nuancierungen, an die feinen Abstufungen zwischen Seria- und Buffaprofil bei der Personencharakterisierung sowie der rhetorischen und musikalischen Konturierung. Meisterhaft war Piccinni zweifellos die Gestaltung der Protagonistin, des "mezzo carattere" Cecchina, gelungen. Zahlreiche Häuser im In- und Ausland brachten das Werk zur Aufführung und machten La buona figliuola von Niccolò Piccinni in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur erfolgreichsten italienischen komischen Oper. In Italien kam es geradezu zu einer Cecchina-Mode. Hotels und Gasthäuser, Gerichte und Weine benannten sich nach ihr. Mit dem Aufstieg Rossinis ereilte die Buona figliuola, die Giuseppe Verdi 1887 als "die erste wahre Opera buffa" bezeichnete, das gleiche Schicksal, das dem Gros des neapolitanischen Opernerbes beschieden war: Sie geriet weitgehend in Vergessenheit.

Francesco Paolo Russo hat La buona figliuola von Niccolò Piccinni in einer mustergültigen wissenschaftlich-kritischen Edition vorgelegt. Mit ihr wird der Opernpraxis, der Wissenschaft und einer breiten musikinteressierten Öffentlichkeit ein nicht nur für die Opern-, sondern auch für die Kultur- und Sozialgeschichte Europas des 18. Jahrhunderts entscheidendes Werk in einer zuverlässigen, kompetent und aufschlussreich kommentierten Ausgabe von Partitur und Libretto wieder zugänglich gemacht.